Wasserpakt Bayern
Demobetrieb Gewässerschutz startet erfolgreich

Drei Männer im Senffeld

Von links: Alois Dorfmeister, Christian Siedersbeck und Dr. Josef Freundorfer

Das Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hat zur Verbesserung des Zustandes der Gewässer nach der europäischen Wasserrahmenrichtlinie eine freiwillige Vereinbarung mit Landwirten, Verbänden und Verbundpartnern geschlossen: Den Wasserpakt Bayern. Ein wichtiger Baustein darin ist die Errichtung eines bayernweiten Netzwerks von Demonstrationsbetrieben.

Das sind landwirtschaftliche Betriebe, die sich durch regional angepasste Bewirtschaftungsweisen, insbesondere gewässerschonende Bewirtschaftung, in der Öffentlichkeit darstellen und als Multiplikatoren auftreten. Die Betriebe informieren in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowohl Berufskollegen als auch Besuchergruppen über einen nachhaltigen und ressourcenschonenden Umgang mit Gewässern und Grundwasser, Boden und Klima.

Demobetrieb zu Erosionsschutz und Nährstoffsicherung
Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Deggendorf (AELF) hat seit Kurzem mit Christian Siedersbeck aus Zeitldorf bei Metten einen vorbildlichen Demobetrieb an der Seite, so Dr. Josef Freundorfer, Bereichsleiter Landwirtschaft am AELF während der Begrüßung am Zwischenfruchtfeldtag auf dem neu eingerichteten Demobetrieb Siedersbeck. Ziele des Demobetriebs sind die Veranschaulichung von Erosionsschutz und Nährstoffsicherung, die Weiterbildung von Landwirten und Beratern, sowie die Einbindung der Öffentlichkeit. Mittlerweile gibt es in Bayern rund 100 Demobetriebe, die sich dieser Aufgabe stellen.
Zwischenfruchtanbau
Bei der Veranstaltung stellte der Betriebsleiter Christian Siedersbeck seinen Betrieb und die verschiedenen Zwischenfruchtvarianten vor. Er ging auf Besonderheiten im Jahr 2018 ein. Dazu gehören die Trockenheit und die damit verbundene frühe Getreideernte. Er informierte über die Bodenbearbeitung und die eingesetzte Sätechnik am Versuchsfeld. Eine Zwischenfrucht wird nach der Getreideernte gesät und dient als Wasser- und Nährstoffspeicher, als Erosionsschutz, zur Unterdrückung von Unkraut, zum Schutz für den Boden vor Verschlämmung, als Lebensraum für Insekten, als Nahrung für Bodenbewohner wie zum Beispiel den Regenwurm und schützt den Boden vor Regen, Wind und Sonne.
Im darauffolgenden Jahr wird die Hackfrucht mit einer speziellen Technik, in die im Winter abgefrorene Zwischenfrucht gesät. Die abgestorbenen Reste der Zwischenfrucht sind auch im Frühjahr noch ein guter Erosionsschutz, und bei Starkregen steigt die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens. Die Landwirtschaft leistet sozusagen einen unbemerkten Beitrag zum Hochwasserschutz. Jeder Tropfen Wasser, der im Acker bleibt, landet nicht in übergehenden Flüssen und als Folge davon auf Straßen und in Häusern.
Der Saatzeitpunkt ist entscheidend
Welche Art oder Zwischenfruchtmischung soll der Landwirt wählen? Was ist die richtige Sätechnik? Wann ist der richtige Saatzeitpunkt? Diese wichtigen Fragen wurden am Zwischenfruchtfeldtag geklärt. Als anschauliches Beispiel präsentierte Christian Siederbeck Zwischenfrüchte mit zwei verschiedenen Saatzeitpunkten. Im Trockenjahr 2018 war weniger die Art, sondern der Saatzeitpunkt ein wichtiger Faktor zum Gelingen einer guten Zwischenfrucht. In den verschiedenen Versuchsparzellen sind Zwischenfrüchte wie Ölrettich, Senf, Phacelia, Alexandrinerklee, Rauhafer und spezielle Zwischenfruchtmischungen ausgesät worden. Hier wurden die Unterschiede unter anderem im Hinblick auf Wachstum, Unkrautunterdrückung und Durchwurzelung deutlich sichtbar. Bei der Auswahl der Zwischenfrüchte ist die Zielsetzung des Landwirts entscheidend. Steht der Erosionsschutz und die Mulchsaattauglichkeit im Vordergrund, eignet insbesondere Senf. Liegt der Schwerpunkt auf einer intensiven Bodendurchwurzelung stehen artenreiche Mischungen im Vordergrund.
Regenwurm im Blick
Nach der Zwischenfruchtdemonstration stellte Alois Dorfmeister, Wasserberater am AELF Deggendorf die oft unterschätzte wichtige Arbeit des Regenwurms dar. Zur Verdeutlichung hat er zwei Regenwurmterrarien mitgebracht. Eine Studie hat ergeben, dass die Regenwürmer und Bodenorganismen im Zeitraum nach der Getreideernte bis zur Maisaussaat im kommenden Jahr sechs Tonnen Stroh zerkleinern und in den Ackerboden einmischen können. Es überrascht daher nicht, dass der Name Regenwurm nicht wie vermutet vom Regen sondern, vom Althochdeutschen Wort "rege" kommt, was so viel wie fleißig bedeutet. Auf einem guten Ackerboden leben pro Quadratmeter rund 100 Würmer. Das beste Nahrungsangebot für die Würmer liefern Zwischenfrüchte wie die am Versuchsfeld von Herrn Siedersbeck angebaut wurden.
Gewässer in gutem Zustand erhalten
Im zweiten Teil des Vortrags von Alois Dorfmeister wurden die Themen Gewässerabstand und die Möglichkeit eines Gewässerrandstreifens im Rahmen des Bayerischen Kulturlandschaftsprogramms behandelt. Er erklärte die nach Düngeverordnung gesetzlich geregelten Abstände, die der Landwirt je nach Technik des Düngegerätes und Hangneigung einzuhalten hat. Dorfmeister bat um Verständnis für die Verordnung, denn die Gewässer seien es Wert, ihren Zustand nicht zu verschlechtern, sondern zu verbessern und den guten Zustand zu erhalten.
Führung im Frühjahr geplant
Dr. Freundorfer dankte Christian Siedersbeck, der viel Arbeit und Herzblut in den Zwischenfruchtversuch steckte. Im Frühjahr stellt sich heraus, welche Versuchsvariante den besten Erosionsschutz bietet. Das AELF Deggendorf und der Demobetrieb Siedersbeck werden dann wieder zu einer Versuchsfeldführung einladen. Wer den Zwischenfruchtversuch auf eigene Faust besichtigen will, ist hierzu herzlich eingeladen. Das Versuchsfeld ist ab der Staatsstraße 2125 zwischen Offenberg und Aschenau ausgeschildert.

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